Spannungen an der Universität Jena: Jüdische Angehörige beklagen Antisemitismus

Zusammenfassung

  • Ort: Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Thema: Raumabsage für umstrittenen Vortrag & Antisemitismus-Vorwürfe
  • Hintergrund: Referent wird Verein zugerechnet, den der Verfassungsschutz beobachtet
  • Reaktionen: Jüdische Hochschulangehörige und Studierendenverbände begrüßen Absage

Jena (31.01.2026) – An der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) verschärft sich die Debatte um die Grenzen der Meinungsfreiheit und den Schutz jüdischer Hochschulangehöriger. Aktuelle Berichte zeigen, dass sich jüdische Studierende und Mitarbeitende zunehmend unwohl auf dem Campus fühlen. Auslöser der jüngsten Diskussionen war ein geplanter Vortrag, für den die Universitätsleitung nun die Raumzusage zurückgezogen hat.

Wachsende Sorge vor extremistischen Tendenzen

Wie aus Berichten hervorgeht, empfinden jüdische Angehörige der Universität das Klima in Jena als zunehmend belastend. Ursächlich hierfür seien extremistische Wortmeldungen, antisemitische Kundgebungen im Umfeld des Campus sowie Aussagen einzelner Hochschulmitglieder. Marek Sierka, Materialwissenschaftler an der FSU, warnte davor, dass bestimmte Veranstaltungen die bestehenden Spannungen weiter verschärfen könnten.

Im Zentrum der aktuellen Kontroverse stand ein für Januar geplanter Vortrag von Wieland Hoban. Hoban ist Vorsitzender des Vereins „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“. Dieser Verein wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz seit 2024 als „gesichert extremistische Bestrebung“ in der Kategorie des auslandsbezogenen Extremismus geführt. Die Behörden sehen Verbindungen zu Gruppierungen, die Terrorismus befürworten oder relativieren.

Universität zieht Reißleine bei Raumvergabe

Nachdem bekannt wurde, wer in Hörsaal 024 sprechen sollte, regte sich breiter Widerstand. Das „Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender“, dem auch Professor Sierka angehört, protestierte gegen die Einladung. Unterstützung erhielten sie von politischen Hochschulgruppen wie dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der Liberalen Hochschulgruppe (LHG), die ein Handeln der Universitätsleitung forderten.

Die Universität Jena reagierte und zog die Raumzusage zurück. Uni-Präsident Andreas Marx und die Verwaltung begründen diesen Schritt mit der Verantwortung für die Sicherheit und dem Schutz vor extremistischer Propaganda. Ein Sprecher betonte, dass die Universität kein Ort für Indoktrination sein dürfe.

Hoban selbst bezeichnete die Absage als Angriff auf die Meinungsfreiheit und warf der Universität vor, sich politischem Druck zu beugen. Die Organisatoren des Vortrags hatten zudem fälschlicherweise den Eindruck erweckt, die Theologische Fakultät oder das „Jenaer Zentrum für Versöhnungsstudien“ (JCRS) seien offizielle Kooperationspartner. Dies wurde von Seiten der Fakultät und des JCRS dementiert; eine Abstimmung habe nie stattgefunden.

Einordnung: Jena als Brennpunkt?

Der Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau beobachtet die Situation an deutschen Hochschulen genau. Er beschreibt die Lage in Jena als „außergewöhnlich aufgeladen“, insbesondere im Vergleich zu anderen kleineren Universitätsstädten. Während jüdische Wissenschaftler teilweise auf Polizeischutz angewiesen seien, inszenierten sich radikale Stimmen oft als Opfer von Zensur, so der Experte.

Die Universität Jena steht damit exemplarisch für eine bundesweite Herausforderung: Die Balance zwischen der Wahrung der Wissenschaftsfreiheit und der klaren Abgrenzung gegen Antisemitismus und Extremismus. Rensmann stellt klar: Wissenschaftsfreiheit umfasst zwar kontroverse Debatten, findet ihre Grenzen aber dort, wo postfaktische oder verfassungsfeindliche Propaganda verbreitet wird.

Die Universitätsleitung hat signalisiert, auch in Zukunft genau zu prüfen, wem sie ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, um ein angstfreies Studienklima für alle Angehörigen – unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion – zu gewährleisten.


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